Microsoft Purview überwacht KI-Prompts auf Netzwerkebene: DLP für ChatGPT & Co.
Microsoft Purview kann sensible Unternehmensdaten in KI-Prompts jetzt auf Netzwerkebene erkennen, protokollieren und blockieren, nicht mehr nur im Edge-Browser oder auf verwalteten Geräten. Über eine SASE/SSE-Integration mit Microsoft Entra prüft Purview den Datenverkehr zu nicht verwalteten KI-Apps wie ChatGPT und Gemini. Die Funktion ist aktuell in der Public Preview.

Was ist neu? Die kurze Antwort
Microsoft hat für Microsoft Purview eine neue Fähigkeit angekündigt: Data Loss Prevention auf Netzwerkebene für KI-Anwendungen. Damit erkennt, protokolliert und blockiert Purview sensible Daten in KI-Prompts nicht mehr nur im Edge-Browser oder auf verwalteten Geräten, sondern direkt im Netzwerkverkehr zu externen KI-Diensten wie ChatGPT, Google Gemini oder DeepSeek. Möglich macht das eine Integration mit Microsoft Entra über eine SASE/SSE-Architektur (Secure Access Service Edge / Security Service Edge). Die Funktion befindet sich in der Public Preview.
Das Problem: „Schatten-KI" und Geschäftsgeheimnisse im Prompt-Feld
Mitarbeitende nutzen KI-Werkzeuge längst, oft ohne dass die IT davon weiß, das nennt man Schatten-KI. Der Klassiker: Jemand kopiert einen Vertrag, eine Kundenliste oder Quellcode ins Prompt-Feld von ChatGPT, um sich schnell eine Zusammenfassung erstellen zu lassen. In diesem Moment verlassen möglicherweise Geschäftsgeheimnisse oder personenbezogene Daten das Unternehmen, ohne Kontrolle und ohne Protokoll.
Bisherige Schutzmaßnahmen setzten am Browser (Edge) oder am Endgerät an. Wer einen anderen Browser oder eine andere App nutzte, entkam der Erkennung. Genau diese Lücke schließt die neue Netzwerk-Ebene.
Wie funktioniert die Überwachung auf Netzwerkebene?
Der ausgehende Datenverkehr wird über die Security-Service-Edge-Knoten von Microsoft Entra geleitet und dort per TLS-Inspektion geprüft. Purview analysiert den Inhalt der Prompts mit seinen bekannten Klassifizierungs-Werkzeugen (vertrauliche Informationstypen, trainierbare Klassifizierer) und kann dann:
- erkennen, welche sensiblen Daten in KI-Prompts fließen,
- protokollieren (Prompts und Antworten landen im Aktivitäts-Explorer und im Audit-Log),
- blockieren, bevor die Daten den KI-Dienst erreichen.
In Purview heißt die passende Ein-Klick-Richtlinie offiziell „Detect sensitive info shared with AI via network". Die Funde fließen zusätzlich ins Insider Risk Management und in Microsoft Defender, so entsteht ein Gesamtbild über riskante KI-Nutzung.
Was ihr dafür braucht
- Microsoft Purview mit Data Loss Prevention (in der Regel Microsoft 365 E5 bzw. E5 Compliance).
- Microsoft Entra Internet Access (Global Secure Access) für die Netzwerk-Ebene, das ist eine separate Lizenz zusätzlich zu Microsoft 365.
- Nutzungsbasierte Abrechnung in Azure (Pay-as-you-go): Die KI-Interaktions-Funktionen rechnen nach Volumen ab, die Kosten hängen also stark davon ab, wie eng die Richtlinien gefasst sind.
- In Entra eingebundene Geräte; klassisches BYOD und nicht verwaltete Systeme sind nicht abgedeckt.
Laut Microsofts Roadmap ist die allgemeine Verfügbarkeit für 2026 geplant; die Public Preview lässt sich schon jetzt testen. Da die Funktion noch in der Vorschau ist, können sich Details bis zur finalen Version ändern.
Wichtig für Deutschland: Betriebsrat und DSGVO
Eine Überwachung des Prompt-Inhalts auf Netzwerkebene ist datenschutzrechtlich heikel und keine reine IT-Entscheidung:
- Mitbestimmung: Weil die Funktion Verhalten und Leistung von Beschäftigten erfassen kann, greift in der Regel die Mitbestimmung des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Vor der Einführung braucht es meist eine Betriebsvereinbarung.
- Folgenabschätzung: Eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) ist üblicherweise erforderlich.
- Private Nutzung: Private Internetnutzung sollte per Ausnahmeliste ausgenommen werden, sonst drohen Datenschutzverstöße.
Kurz: Die Technik ist das eine, die rechtssichere Einführung das andere. Ohne saubere Betriebsvereinbarung und DSFA sollte niemand eine TLS-Inspektion auf den Datenverkehr von Beschäftigten scharfschalten.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Unkontrollierte KI-Nutzung ist für viele Mittelständler ein reales Risiko, gleichzeitig ist die neue Funktion technisch wie rechtlich anspruchsvoll. Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen: erst Sichtbarkeit (nur erkennen und protokollieren, im Simulationsmodus), dann die Fehlalarme über einige Wochen bewerten, dann gezielt blockieren, zunächst nur für die kritischsten Datentypen. Wir bei Baltaris begleiten die Einführung inklusive Lizenz-Check, Richtlinien-Zuschnitt zur Kostenkontrolle und der Abstimmung mit Betriebsrat und Datenschutz.
Häufige Fragen
Betrifft das auch ChatGPT und Gemini, nicht nur Microsoft Copilot?
Ja. Die Netzwerk-Ebene zielt gerade auf nicht verwaltete Dritt-KI-Apps wie ChatGPT, Google Gemini und DeepSeek, nicht nur auf Microsoft 365 Copilot.
Brauchen wir dafür zwingend Microsoft 365 E5?
Für Purview DLP in der Regel ja; die Netzwerk-Ebene verlangt zusätzlich Microsoft Entra Internet Access. Den genauen Lizenzbedarf klärt man vor dem Start, weil er sich in der Preview noch ändern kann.
Können wir klein anfangen?
Ja, und das ist auch empfehlenswert: erst im Simulations- bzw. Testmodus nur erkennen, ein paar Wochen die Fehlalarme messen, dann gezielt blockieren.
Ist die Funktion schon final?
Nein. Sie ist in der Public Preview; bis zur allgemeinen Verfügbarkeit sind noch Änderungen möglich.
Quellen
- Microsoft Learn: „Use Microsoft Purview to manage data security & compliance for other AI apps" (learn.microsoft.com/purview/ai-other-apps), inklusive Network Data Security über SASE/SSE, Stand Juni 2026.
- Microsoft Tech Community, Entra Blog: „Protect sensitive data in motion across SaaS and AI apps with Microsoft Purview and Microsoft Entra" (offizielle Ankündigung der Public Preview).
- Microsoft Learn: „Data Security Posture Management for AI" sowie „Network data security".
Weiterführend
- Cyber-Sicherheit - Schutz vor Datenabfluss, XDR und Awareness
- IT-Compliance & NIS2 - DSGVO, GoBD und rechtssichere Umsetzung
- Cloud & Microsoft 365 - Microsoft-365-Setup und Purview-Einführung
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