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Sicherheit
·Rouwen Behncke
6 Min.

Microsoft Purview überwacht KI-Prompts auf Netzwerkebene: DLP für ChatGPT & Co.

Microsoft Purview kann sensible Unternehmensdaten in KI-Prompts jetzt auf Netzwerkebene erkennen, protokollieren und blockieren, nicht mehr nur im Edge-Browser oder auf verwalteten Geräten. Über eine SASE/SSE-Integration mit Microsoft Entra prüft Purview den Datenverkehr zu nicht verwalteten KI-Apps wie ChatGPT und Gemini. Die Funktion ist aktuell in der Public Preview.

Microsoft Purview überwacht KI-Prompts auf Netzwerkebene: DLP für ChatGPT & Co.

Was ist neu? Die kurze Antwort

Microsoft hat für Microsoft Purview eine neue Fähigkeit angekündigt: Data Loss Prevention auf Netzwerkebene für KI-Anwendungen. Damit erkennt - protokolliert und blockiert Purview sensible Daten in KI-Prompts nicht mehr nur im Edge-Browser oder auf verwalteten Geräten - sondern direkt im Netzwerkverkehr zu externen KI-Diensten wie ChatGPT - Google Gemini oder DeepSeek. Möglich macht das eine Integration mit Microsoft Entra über eine SASE/SSE-Architektur (Secure Access Service Edge / Security Service Edge). Die Funktion befindet sich in der Public Preview.

Das Problem: „Schatten-KI" und Geschäftsgeheimnisse im Prompt-Feld

Mitarbeitende nutzen KI-Werkzeuge längst - oft ohne dass die IT davon weiß - das nennt man Schatten-KI. Der Klassiker: Jemand kopiert einen Vertrag - eine Kundenliste oder Quellcode ins Prompt-Feld von ChatGPT - um sich schnell eine Zusammenfassung erstellen zu lassen. In diesem Moment verlassen möglicherweise Geschäftsgeheimnisse oder personenbezogene Daten das Unternehmen - ohne Kontrolle und ohne Protokoll.

Bisherige Schutzmaßnahmen setzten am Browser (Edge) oder am Endgerät an. Wer einen anderen Browser oder eine andere App nutzte - entkam der Erkennung. Genau diese Lücke schließt die neue Netzwerk-Ebene.

Wie funktioniert die Überwachung auf Netzwerkebene?

Der ausgehende Datenverkehr wird über die Security-Service-Edge-Knoten von Microsoft Entra geleitet und dort per TLS-Inspektion geprüft. Purview analysiert den Inhalt der Prompts mit seinen bekannten Klassifizierungs-Werkzeugen (vertrauliche Informationstypen - trainierbare Klassifizierer) und kann dann:

  • erkennen - welche sensiblen Daten in KI-Prompts fließen,
  • protokollieren (Prompts und Antworten landen im Aktivitäts-Explorer und im Audit-Log),
  • blockieren - bevor die Daten den KI-Dienst erreichen.

In Purview heißt die passende Ein-Klick-Richtlinie offiziell „Detect sensitive info shared with AI via network". Die Funde fließen zusätzlich ins Insider Risk Management und in Microsoft Defender - so entsteht ein Gesamtbild über riskante KI-Nutzung.

Was ihr dafür braucht

  • Microsoft Purview mit Data Loss Prevention (in der Regel Microsoft 365 E5 bzw. E5 Compliance).
  • Microsoft Entra Internet Access (Global Secure Access) für die Netzwerk-Ebene - das ist eine separate Lizenz zusätzlich zu Microsoft 365.
  • Nutzungsbasierte Abrechnung in Azure (Pay-as-you-go): Die KI-Interaktions-Funktionen rechnen nach Volumen ab - die Kosten hängen also stark davon ab - wie eng die Richtlinien gefasst sind.
  • In Entra eingebundene Geräte; klassisches BYOD und nicht verwaltete Systeme sind nicht abgedeckt.

Laut Microsofts Roadmap ist die allgemeine Verfügbarkeit für 2026 geplant; die Public Preview lässt sich schon jetzt testen. Da die Funktion noch in der Vorschau ist - können sich Details bis zur finalen Version ändern.

Wichtig für Deutschland: Betriebsrat und DSGVO

Eine Überwachung des Prompt-Inhalts auf Netzwerkebene ist datenschutzrechtlich heikel und keine reine IT-Entscheidung:

  • Mitbestimmung: Weil die Funktion Verhalten und Leistung von Beschäftigten erfassen kann - greift in der Regel die Mitbestimmung des Betriebsrats nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG. Vor der Einführung braucht es meist eine Betriebsvereinbarung.
  • Folgenabschätzung: Eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) ist üblicherweise erforderlich.
  • Private Nutzung: Private Internetnutzung sollte per Ausnahmeliste ausgenommen werden - sonst drohen Datenschutzverstöße.

Kurz: Die Technik ist das eine - die rechtssichere Einführung das andere. Ohne saubere Betriebsvereinbarung und DSFA sollte niemand eine TLS-Inspektion auf den Datenverkehr von Beschäftigten scharfschalten.

Was das für den Mittelstand bedeutet

Unkontrollierte KI-Nutzung ist für viele Mittelständler ein reales Risiko - gleichzeitig ist die neue Funktion technisch wie rechtlich anspruchsvoll. Sinnvoll ist ein schrittweises Vorgehen: erst Sichtbarkeit (nur erkennen und protokollieren - im Simulationsmodus) - dann die Fehlalarme über einige Wochen bewerten - dann gezielt blockieren - zunächst nur für die kritischsten Datentypen. Wir bei Baltaris begleiten die Einführung inklusive Lizenz-Check - Richtlinien-Zuschnitt zur Kostenkontrolle und der Abstimmung mit Betriebsrat und Datenschutz.

Häufige Fragen

Betrifft das auch ChatGPT und Gemini - nicht nur Microsoft Copilot?

Ja. Die Netzwerk-Ebene zielt gerade auf nicht verwaltete Dritt-KI-Apps wie ChatGPT - Google Gemini und DeepSeek - nicht nur auf Microsoft 365 Copilot.

Brauchen wir dafür zwingend Microsoft 365 E5?

Für Purview DLP in der Regel ja; die Netzwerk-Ebene verlangt zusätzlich Microsoft Entra Internet Access. Den genauen Lizenzbedarf klärt man vor dem Start - weil er sich in der Preview noch ändern kann.

Können wir klein anfangen?

Ja - und das ist auch empfehlenswert: erst im Simulations- bzw. Testmodus nur erkennen - ein paar Wochen die Fehlalarme messen - dann gezielt blockieren.

Ist die Funktion schon final?

Nein. Sie ist in der Public Preview; bis zur allgemeinen Verfügbarkeit sind noch Änderungen möglich.

Quellen

  • Microsoft Learn: „Use Microsoft Purview to manage data security & compliance for other AI apps" (learn.microsoft.com/purview/ai-other-apps) - inklusive Network Data Security über SASE/SSE - Stand Juni 2026.
  • Microsoft Tech Community - Entra Blog: „Protect sensitive data in motion across SaaS and AI apps with Microsoft Purview and Microsoft Entra" (offizielle Ankündigung der Public Preview).
  • Microsoft Learn: „Data Security Posture Management for AI" sowie „Network data security".

Weiterführend

Fragen zu diesem Thema?

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    Rouwen Behncke

    Geschäftsführer, Baltaris GmbH

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